Neue Verzögerungen bei der EU-Entwaldungsverordnung

Hintergrund und Zielsetzung

Die EU-Entwaldungsverordnung verfolgt das Ziel, Produkte nur dann auf dem EU-Markt zuzulassen, wenn sichergestellt ist, dass seit 2020 keine Wälder für deren Herstellung gerodet wurden. Sie soll Biodiversität schützen und globale Entwaldung verringern. Betroffen sind insbesondere Rohstoffe wie Kaffee, Kakao oder Rindfleisch. Unternehmen müssen dafür nachweisen, dass ihre Lieferketten entwaldungsfrei sind.

Verzögerungen und technische Herausforderungen

Der ursprünglich vorgesehene Starttermin wurde bereits verschoben, und es steht eine weitere Verzögerung im Raum. Grund dafür sind Schwierigkeiten bei der Entwicklung eines zentralen IT-Systems, das für die Überwachung der Nachweise notwendig ist. Die EU-Kommission sieht derzeit Risiken, dass das System Handelsströme beeinträchtigen könnte und daher nicht rechtzeitig funktionsfähig ist.

Überarbeitung der Verordnung

Die EU-Kommission hat einen neuen Entwurf vorgelegt, der Anpassungen vorsieht. Er soll sicherstellen, dass das IT-System zuverlässig nutzbar ist. Zudem sollen Berichtspflichten für kleinere Unternehmen aus Ländern mit geringem Risiko erleichtert werden. Gleichzeitig wird betont, dass die Kernziele der Verordnung bestehen bleiben.

Politische Positionen

Es gibt gegensätzliche politische Reaktionen:

  • Zustimmung: Vertreter aus Politik und Wirtschaft befürworten die Verschiebung, um Unternehmen mehr Zeit und Praxistauglichkeit zu geben. Es wird gefordert, Regionen ohne relevante Entwaldung von Pflichten auszunehmen.

  • Kritik: Andere Stimmen befürchten eine Schwächung der Verordnung. Es wird darauf hingewiesen, dass viele Unternehmen bereits vorbereitet seien. Zudem wird ein möglicher Einfluss internationaler Handelspartner diskutiert.

Haltung von Wirtschaft und Zivilgesellschaft

Unternehmen und Branchenverbände begrüßen den Aufschub, fordern jedoch inhaltliche Nachschärfungen, um Umsetzungsprobleme dauerhaft zu lösen. Umweltverbände kritisieren die Verzögerung deutlich und sehen darin einen Rückschritt für den globalen Waldschutz. Sie warnen vor einer Verwässerung der Anforderungen.

Dringlichkeit des Waldschutzes

Der Handlungsdruck ist hoch: Zwischen 1990 und 2020 wurden weltweit etwa 420 Millionen Hektar Wald zerstört, besonders in tropischen Regionen. Der Schutz dieser Flächen ist für Biodiversität und Klimaschutz entscheidend, da Wälder einen bedeutenden Beitrag zur CO₂-Bindung leisten.

Unterstützung für Unternehmen

Unternehmen können sich bereits jetzt vorbereiten. Praxisleitfäden und häufige Fragen der EU-Kommission bieten Orientierung und stehen in deutscher Sprache über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zur Verfügung.


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Simon Brechel

Nachhaltigkeitsberater

Unterstützt Organisationen strategisch und praxisnah – bei der Entwicklung, Umsetzung und Verankerung einer nachhaltigen Unternehmensführung.