SBTi-Standard V2.0: Book & Claim ab 2027 für Transportemissionen zulässig

Die Science Based Targets Initiative (SBTi) hat Mitte Juni 2026 ihren finalen Corporate Net-Zero Standard V2.0 vorgelegt. Er gilt ab 1. Februar 2027. Ziele nach der Vorgängerversion V1.3.1 können noch bis Ende Januar 2028 eingereicht werden. Neu ist, dass Unternehmen Transportemissionen auch über Book & Claim senken dürfen. Dabei wird der Klimavorteil nachhaltiger Kraftstoffe bilanziell zugeordnet, ohne dass der Kraftstoff physisch in der eigenen Lieferkette eingesetzt wird. Zulässig ist das nur, wo direkte Reduktionen technisch oder wirtschaftlich noch nicht machbar sind, und nur unter Auflagen: Die Einsparung muss nachweisbar sein, Zertifikate müssen stillgelegt werden und Doppelzählung ist ausgeschlossen. DHL wertet sein Angebot GoGreen Plus damit als standardkonform. Das ist relevant für Kunden, die wegen CSRD und Investorendruck ihre Scope-3-Emissionen angehen müssen. Offen bleibt, ob der Mechanismus das knappe Angebot an nachhaltigem Flugkraftstoff tatsächlich ausweitet oder bestehende Mengen nur umverteilt. Die EU-Beimischungsquote liegt seit 2025 bei mindestens 2 % und steigt bis 2050 auf 70 %. Das NewClimate Institute kritisiert zudem, dass Firmen mit sehr unterschiedlicher Ambition dieselbe Validierung erhalten können. Außerdem führt V2.0 eine Ongoing Emissions Responsibility ein. Große Unternehmen müssen ab 2035 Verantwortung für zunächst 1 % ihrer laufenden Emissionen übernehmen, und wer nicht teilnimmt, muss das öffentlich begründen.

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Simon Brechel

Nachhaltigkeitsberater

Unterstützt Organisationen strategisch und praxisnah – bei der Entwicklung, Umsetzung und Verankerung einer nachhaltigen Unternehmensführung.